Ein moderner japanischer Garten, vielleicht mit modularem Pflanzkonzept?
Nein, es ist nur Pflanzsaison. Und dabei entstand, ganz nebenbei, diese temporäre, nur für ein paar Stunden währende Garteninstallation: Staudenkisten angerichtet auf saatfertiger  Rasenfläche unter alten Kiefern.
Die Durchgangsstadien auf der Baustelle haben häufig ihren ganz eigenen Reiz. Momentaufnahmen aus einem prozesshaften Geschehen. Wie eigentlich alles Momentaufnahmen sind, aus einem etwas größeren Abstand heraus betrachtet: der alte Park wie das kurzzeitige Pflanzenlager.

Mit den Pflanz- und Rasenarbeiten kommen die Arbeiten an der Grünanlage in Pasing rund um den Hermann-Hesse-Weg im Mai zum Abschluss. Alter Baumbestand vergangener Gärten an einem kleinen Abhang über der Würm und junge Pflanzungen entlang neuer Wege durch das lange vernachlässigte  Gelände fügen sich ineinander zum „Hermann-Hesse-Garten“.

Von Hesse gibt es ein schönes Gedicht, in dem das Pflanzen als ganz inniger, fürsorglicher Vorgang beschrieben wird (1):

Am Abhang hinterm Hause hab ich heute
Durch Wurzelwerk und Steinicht eine Grube
Gehauen und gegraben, tief genug,
Und jeden Stein aus ihr entfernt und auch
Die spröde, dünne Erde weggetragen.
Dann kniet ich eine Stunde da und dort
Im alten Wald und sammelte mit Kelle
Und Händen aus vermoderten
Kastanienstrünken jene schwarze, mulmige
Walderde mit dem warmen Pilzgeruch,
Zwei schwere Kübel voll, trug sie hinüber
Und pflanzte in die Grube einen Baum,
Umgab ihn freundlich mit der torfigen Erde,
Goß sonngewärmtes Wasser langsam zu
Und schwemmte, schlämmte sanft die Wurzel ein.

Diese intensive, geradezu zärtliche Einzelzuwendung erfahren die Pflanzen auf einer öffentlichen Baustelle leider häufig nicht. Es gibt viel zu pflanzen, rasch muss es gehen, Termine und Kosten müssen eingehalten werden (und „torfige Erde“ entspricht hier auch nicht mehr dem Stand der Technik). Das Umfeld, in das sie gelangen, wird auch künftig eher rauh sein, viele von ihnen werden vermutlich ziemlich achtlos behandelt werden. Wir hoffen, dass es vielen gelingt, sich durchzubeißen und zur Entfaltung zu kommen.

(1) Hermann Hesse, aus: Tagebuchblatt