Bäume seien „das wertvollste und gleichzeitig das umstrittenste Element in der Freiraumkultur“, resümiert der schweizer Landschaftsarchitekt Guido Hager in einem Kolumnenbeitrag. Er reflektiert über das Verhältnis von Stadt und Landschaft, das er für gar keines mehr hält. Die Agglomeration als Typus der zeitgenössischen Stadtentwicklung lässt Landschaft verschwinden, durch indifferente Wucherung, oder, anders herum gewendet, durch konturlose Inkorporation. Ein wesentliches Merkmal solcher heutigen Stadträume seien hybride Freiräume, die vielerlei, oft gegensätzliche Anforderungen und Funktionen erfüllen müssten und dabei gesichts- und ordnungslos bleiben. Mit Bäumen, reichlich Bäumen lässt sich gegensteuern, strukturieren, verständlich ordnen:

Bäume verbinden ungleichartige Räume, sie bilden einen Schwerpunkt, sie nehmen den umgebenden Bauten Präsenz, sie sind selber positiv belegt weil sie Schatten und damit ein verbessertes Klima bieten. Sie können einen unwirtlichen Raum zu einem angenehmen Stadtraum werden lassen.

Die Schwierigkeiten, auf die man stößt, wenn man Bäume in der Stadt pflanzen will, lässt er nicht unerwähnt. Neben technischen Widrigkeiten, die sich meist im erschlossenen und vielfach zerwühlten Untergrund finden, ist es oft genug auch der Widerstand derer, die letztlich von den Bäumen profitieren: da werden Bäume gerne auf den Begriff „Dreckschleuder“ reduziert – was nicht von der Hand zu weisen ist. Doch für andere Dreckschleudern mit weit weniger Nutzen ist uns kein Aufwand zu groß.

Und noch etwas ruft er (dem/der einen oder anderen) in Erinnerung:

Wenn wir von Baukultur reden, meinen wir immer auch Freiraumkultur.

Reichlich ausgewachsene Bäume gehören zu den bedeutsameren Attributen eines lebenswerten Stadtraums. Auch außerhalb von Biergärten.


Literatur: Bundesstiftung Baukultur: Kolumne 36 / Baukultur ist… über die Zwischenräume reden von Guido Hager, 13.04.2015, http://www.bundesstiftung-baukultur.de/positionen/kolumne/aktuell/kolumne-detail/article/36-baukultur-ist.html