Immer häufiger nervt die einst geliebte Süddeutsche Zeitung mit beigelegten bunten Heftchen mit meist langweiligen Empfehlungen, wie man sein Geld für teuren Wellness- und sonstigen Genießerschnickschnack stillos verjubeln soll. Aber der instinktive Abwehrreflex bringt das Hirn auf Trab.

In der aktuellen Beilage Fine 1|2015 gibt es einen, tut mir leid, richtig blöden Artikel über das ach so trendige Barbecue-Grillen, das ohne das richtige Equipment selbstverständlich überhaupt nicht funktioniert: Genesis – oder: Wie ein Gasgrill das blaue Band der Röstaromen flattern lässt. Ich glaube, der Autor ist sich der Blödheit sogar bewusst. Er lässt nichts unversucht, seine schon schmerzhaft unpassende literarische Assoziation zu ironisieren – damit ja nichts anbrennt sozusagen. Ärgerlich.

Dennoch muss ich ihm dankbar sein: er hat mich erinnert an eine Szene, die Eduard Mörike selbst in einem Brief  an seine damalige Verlobte Luise Rau schildert, geschrieben in Owen am 23. April 1830. Er berichtet ihr von einem kleinen Ausflug am frühlingsgrünen Albtrauf bei der Teck, Picknick und Grillfeuer inklusive. Eigentlich wollte man den Ausflug in aller Frühe angehen, um die Sonne von der Teck aus aufgehn zu sehen. Herr Vetter Louis wollte zum Frühstück eine Partie Fische zusammenfangen, die sollte man droben bei einem selbstgemachten Feuer in der Pfanne fertig machen; die Frau Pfarrerin gab den Wein, das Kochzeug, und ein Bube ward als Träger bestellt. Regen kam zunächst dazwischen, so dass man erst am Mittag aufbrach. Für die weitere Schilderung braucht es den Originaltext:

Um halb drei Uhr sott und raschelte das Schmalz schon auf unserm zusammengetragenen Herde hoch über den Wohnungen der Menschen. Auf einem etwas vertieften und windstillen Grasplatz hatte die Gesellschaft sich niedergelassen. Während der Backerei las ich eine Washingtonsche Erzählung vor, deren Inhalt einigermaßen zu unserer romantischen Situation stimmte; von Zeit zu Zeit ward eine warme Platte mit Forellen herumgeboten, und das Glas zirkulierte gleichzeitig; endlich legte man das Buch weg und stärkte sich noch einmal, um allgemein die Runde auf den bedeutendsten Aussichtspunkten zwischen dem alten Gemäuer zu machen.

Hätte der Gasgrillschreiber ein wenig bei Mörike nachgelesen, hätte er sich womöglich mit dem blauen Band lieber seine Schreibhand abgebunden.

Noch heute lodern an sonnigen Ausflugstagen zwischen Frühling und Spätherbst in grasigen Mulden die Grillfeuer zwischen Ochsenwang, Breitenstein und Teck, der Gegend, wo der junge Pfarrvikar eine Weile gelebt hat und wo er einige seiner schönsten Gedichte geschrieben hat. Auf einer Einladung zu einer weiteren „Parthie“ zur Teck ein paar Wochen später, am 13. Juli 1830, bei der dann mehr als ein Dutzend Personen dabei waren, auch Luise Rau, notierte er sein Gedicht Auf der Teck, das möglicherweise bei diesem Ausflug entstanden ist. Darin akzentuiert er sein als befreiend empfundenes Durchatmen auf der Albhöhe, hoch über den Wohnungen, und schreibt:

Mag da drunten jedermann
Seine Grillen haben:
Wer sich hier nicht freuen kann
Lasse sich begraben.

Laß denn, o Herz, der Qual
Froh dich entbinden!
Wirf sie ins tiefste Tal!
Gib sie den Winden!

So mache ich das jetzt auch mit den Grillen vom Grillen.