Ein neuer Trend aus Manhattan: Der Wurmkomposter in der Wohnung. Das Lower East Side Ecology Center propagiert die Methode und organisiert Workshops zum richtigen Umgang mit Regenwürmern in Boxen unterm Bett oder neben dem Badezimmer. So nachzulesen in der New York Times vom 18.02.2009. Eigenartige, schon etwas schräge Vorstellung. Aber eine weitere Facette im immer intensiveren Nachdenken der New Yorker darüber, wie ihre Stadt grüner, ökologischer und nachhaltiger „bewirtschaftet“ werden kann. Das reicht vom Pop-Up-Park über das Urban Farming nun eben bis zum Indoor Composting. 13 % des Müllaufkommens bundesweit und 16 % in New York City sind Speisereste, nur „Straßenmüll“ (yard trimmings) und Papier fällt mehr an. Die Folgerung:

We had a recycling revolution, now we need a composting revolution. (Elizabeth Royte)

Erinnert sich noch jemand an die innovativen Ideen des Landschaftsarchitekten und Pioniers der städtebaulichen Moderne Leberecht Migge, der in seinen Siedlungskonzepten Anfang der 1920er Jahre  Kreislauf- und intensive Kompostwirtschaft auf kleinstem Raum propagierte – bis hin zur Komposttoilette? Realisiert z. B. in der Selbstversorgersiedlung Dessau-Ziebigk ab 1926. Jetzt ist die Idee also in der urbanen Szene der Lower East Side angekommen, in neuem Gewand. Und es ist immer wieder schön zu sehen, wie unvoreingenommen und intensiv US-Amerikaner sich Ideen aneignen, sie für ihre Belange transformieren und dann damit die Welt neu erfinden, voller Enthusiasmus und oft mit viel Zugkraft. Auf die Frage, wohin mit dem Kompost in einem Appartment, so viele Zimmerpflanzen habe man ja gar nicht, heißt es in den Kommentaren ganz einfach (von einem Gärtner): auch die Straßenbäume freuen sich darüber.

Bei den Würmern bleibt aber doch eine gewisse Skepsis: es sei vielleicht nichts für Leute mit schwachen Nerven, die Wohnung mit Würmern zu teilen, die wie „pulsierende Vermicelli“ aussähen. Dagegen ist nichts einzuwenden.