Die Wirtschaftskrise beschleunigt sich und angesichts der unglaublich hohen Summen, die an öffentlichen Mitteln eingesetzt werden sollen, um das Schlimmste zu verhindern, werden doch vermehrt Stimmen laut, die gerne ein reinigendes Gewitter sähen. Insbesondere auch dort, wo es längst überfällig ist: in der Automobilindustrie. Opel müht sich nach Kräften, sich als Opfer der Rezession darzustellen. Dabei haben sie doch seit vielen Jahren ein bescheidenes Image. Und selbst als der Markt noch gut lief, hat Opel kontinuierlich Marktanteile verloren. Davon redet irgendwie niemand. Und wer davon redet, der muss fast Angst kriegen. Neulich bei Sandra Maischbergers TV-Talk wagte es ein (noch) erfolgreicher Geschäftsführer eines US-Landmaschinenkonzerns dies offen anzusprechen. Genosse Franz vom Opel Gesamtbetriebsrat wäre ihm fast an die Gurgel gegangen bzw. hätte ihm am liebsten einen Anwalt auf den Hals gehetzt, von wegen übler Nachrede, Geschäftsschädigung und dergleichen. Da lagen die Nerven blank. Doch dies nur nebenbei.

Viel interessanter ist doch, was nach dem Gewitter geschehen wird. Der Wettlauf ist in Gang gekommen und das Elektroauto kommt, vielleicht doch schneller als zuletzt erwartet. Doch da tauchen schon neue Probleme auf, die sehr schön beleuchten, dass es die einfachen Lösungen nicht gibt, dass auch weiterhin, auch nach dem Erdöl, die Rohstoffe endlich bleiben, auch die für die „saubere“ Energie. Und dass auch einmal andere die Gewinner sein wollen.

Bolivien besitzt die weltgrößten Lithium-Vorkommen, 4,9 Mio Tonnen, vor Chile mit 2,7 und China mit 1 Mio Tonnen (und die lagern v.a. in Tibet). Da versteht man so langsam, warum die Präsidentschaft von Evo Morales so kritisch beäugt wird (und warum China in der Tibetfrage eisern ist, sicherlich nicht nur darum). Da geht es nicht wirklich um landwirtschaftliche Großgrundbesitzer und arme Indiobauern sondern hauptsächlich um den Zugriff auf eine sehr bedeutende Ressource der Zukunft, die es Bolivien ermöglichen könnte, als Volkswirtschaft und Gesellschaft Anschluss zu finden – oder weiterhin klein gehalten und ausgebeutet zu werden. Das Ringen um die Ressource hat jedenfalls begonnen. (s. New York Times vom 02.02.09)

Vor vielen Jahren habe ich Che Guevaras „Bolivianisches Tagebuch“ gelesen, sehr heilsam. Was für ein idiotisches, fast kindisch anmutendes Unternehmen. Im Nu war der Lack ab vom ikonographischen Bild des revolutionären Erlösers. Das ist aber gut 40 Jahre her, Energiekrise war Zukunft. Heute wären die Vorzeichen und die Rahmenbedingungen eindeutig andere…

Übrigens glaubt auch Opel noch an die Lithium-Ionen-Akku-Zukunft, so zu lesen in der Süddeutschen Zeitung von heute. Wie lange noch?