Ein bemerkenswertes Frühjahr. Wochenlange Schönwetterperiode, milde Tage aber oft kühle Nächte, viel seefrische Luft aber auch wenig Regen. Sehr wenig Regen, selbst fürs nicht nur in dieser Hinsicht meist verwöhnte Oberbayern. Dennoch hat man auch in diesem Ausnahmefrühling wenig Honigbienen gesehen. Das Bienensterben scheint fortzubestehen und das Forschen dazu soll nun in einem französischen Referenzlabor zentralisiert werden, war im Radio zu hören.

Umso überraschter war ich gestern, als ich auf einmal regelrecht eingehüllt war ins Bienensummen, wie lange nicht mehr gehört. Im blendenden Sonnenlicht waren nur wenige von ihnen zu sehen, doch das Brummen in den Baumkronen ließ auf eine erhebliche Zahl schließen. Es war auf dem Parkplatz des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU), den wir vor über 10 Jahren mit 80 Robinien überstellt haben und die jetzt, Mitte Mai, blühen. Eine kritische Angelegenheit: Robinia pseudoacacia, ein sogenannter Problem-Neophyt “mit dem derzeit größten Verdrängungspotential”, wie der BUND schreibt. Eine Bedrohung für die angestammte Biodiversität an vielen Standorten.

Das LfU hatte sich die Entscheidung schon damals nicht leicht gemacht. Alle planerischen Überlegungen und Randbedingungen zusammengenommen ließen aber die Wahl gerade dieser Baumart dann doch vernünftig erscheinen, für die konkrete Situation. Und bislang hat sie sich bewährt. Im mageren Kiesboden wurzelnd beschatten sie den großen Parkplatz, dienen als Bienenweide, sind komplett anspruchslos und machen auch sonst keinen Ärger.

Was in der freien Landschaft zum Ärgernis werden kann, erfüllt hier bestens seinen Zweck. Und bietet Asyl für eben die Bienen, die in der tatsächlich gar nicht freien weil im Würgegriff der Intensivlandwirtschaft befindlichen  Landschaft nicht mehr überleben können. Wegen der vielen Pestizide, so lautet die Hauptthese zum Bienensterben. Einmal mehr erweist sich die Stadt als Hüter der ökologischen Vielfalt, während außen herum weiter gründlich aufgeräumt wird. Einer Vielfalt, die freilich nicht nur Traditionalisten Refugien bietet, sondern auch Zuwanderern und Kulturformen –  wie der Honigbiene. Setzt voraus, dass wir diese Refugien wiederum zulassen. Oder die Bausteine so zusammenfügen, dass Natur in der Stadt lebendig werden und zu summen beginnen kann. Das Bild, das sich uns dann bietet (und auch manche Prozesse in diesem Ökosystem) entsprechen vielleicht nicht unserem kulturlandschaftlichen Ideal, das wir immer noch mit uns herumschleppen. Natur entfaltet sich permanent in neuen Konfigurationen und sortiert sich fortlaufend um. Ein dynamisches Verständnis, das uns Beharrenden zu oft abgeht und an das wir uns annähern sollten.