Eines der wichtigsten innerstädtischen Entwicklungsgebiete in München ist die sog. “Bahnachse” (Zentrale Bahnflächen heißt es offiziell). Vom Hauptbahnhof am Rand der historischen Innenstadt bis nach Pasing verläuft eine vielgleisige Bahntrasse acht Kilometer in fast direkt westlicher Richtung, wie ein Faser- oder Adernbündel liegt sie im Stadtgrundriss. Im Westend bereits zweigt die Südlinie ab (Rosenheim, Brenner, Rom), zwischen Laim und Pasing die Nordlinie (Freising, Nürnberg, Berlin). In Pasing fächert sie sich schließlich in mehrere Strecken in westliche und südliche Richtungen auf (Augsburg, Stuttgart, Bodensee, Paris), vereinfacht dargestellt.

Die vielen ehemaligen Rangiergleise werden nicht mehr benötigt oder wurden an den Stadtrand verlagert, die eigentliche für die Bahn benötigte Trassenbreite kann verschmälert werden, Raum für Bebauung und öffentliche Flächen wird frei, über 170 ha. Neue Stadtquartiere, Parks, Haltepunkte, öffentliche Orte entstehen. Wichtige Binnenentwicklung für die Stadt, Nutzungsoptimierung für die teure Infrastruktur, Aufwertung einst peripherer Zonen mitten in der Stadt. Stück für Stück geht es nach Westen voran.

Südlich davon verläuft parallel als eine Hauptader des Fahrzeugverkehrs die Landsberger Straße. Die Automeile: kaum ein Autofabrikat auf dieser Welt, das dort nicht bei einem der vielen Autohändler neu oder wenigstens gebraucht zu haben ist. Dazwischen Werkstätten, Lackiereien, Zubehörhandel usw. Ein meist hässliches Durcheinander. Aber die neuen Bürogebäude überformen den Wildwuchs von der Innenstadt her so langsam. Es wird die Zeit, sich die Reste noch anzuschauen.

Alles in allem keine ganz schlechte Entwicklung. Was aber nachhaltig stört: Trotz der großen Planungen und Investitionen deutet wenig darauf hin, dass der sperrende Charakter der Bahntrasse für die Anwohner abgemildert werden wird. Gerade zwischen Laim und Pasing liegen just entlang der Nordseite der Bahn wichtige Parks und Naherholungsbereiche (Nymphenburger Park, Hirschgarten, Sportgelände), die auf der Südseite fehlen oder nur rar gesät sind. Konzeptionell sind einige Fußgängerstege vorgesehen, aber allenfalls in der Innenstadt, am Arnulfpark soll es in absehbarer Zeit eine zusätzliche Brücke geben. Die in der städtebaulichen Leitplanung und in Bebauungsplänen vorgesehenen Fußgängerstege zwischen Laim und Pasing scheinen derzeit nicht konkret planerisch weiter verfolgt zu werden. Dabei ist es eigenartig: zwischen Hauptbahnhof und Laim wird schon heute die Bahn im Abstand von ca. 1 km mit Brücken oder Tunneln gequert. Zwischen Laim und Pasing gibt es auf gut 3 km keine einzige Querung. Was an der Struktur der Bahnflächen dort liegen mag, und daran, dass hier auf der Nordseite der Bahn “nur” der Nymphenburger Park liegt, also kein wirtschaftlich vitales Interesse besteht, die Stadtquartiere der “Southside” mit der Nordseite, somit dem Park zu verknüpfen. Das sollte doch aber ein primäres Ziel von Stadtstrukturplanung sein, oder nicht?

Heute muss man als jemand, der beinahe direkt südlich des Nymphenburger Parks wohnt, aber eben südlich der Bahn, erst einmal reichlich eine halbe Stunde an der Landsberger Straße entlang, durch die berüchtigte Laimer Röhre hindurch und wieder ein gutes Stück zurück durch eines der neuen feinen Quartiere gehen, um zum Parkeingang zu gelangen. Ein Augen- und Ohrenschmaus. Im Park ist es dann schön und man kann pelzgewärmten Damen zusehen, wie sie ihre Kinder zum Schlitteln ausführen.

Wann, wenn nicht jetzt, im Zuge der konkreten Entwicklung der Flächen entlang der Bahn soll man diese für eine fußgängerfreundliche, somit nachhaltige Stadtentwicklung wichtigen “Brückenschläge” einrichten?

Übrigens hat sich der Laimer Bezirksausschuss vor einer Weile sehr positiv zu einem abstrusen Künstlerprojekt geäußert, wo einer in der Laimer Röhre tausende CDs an die Decke hängen wollte, die dann so schön glitzern und spiegeln und die Röhre zu einem positiv besetzten Ort machen sollen. Wäre schön, sie würden die Stegprojekte forcieren.