Das Bayerische Fernsehen zeigte heute anlässlich des 40-jährigen Jubiläums seiner Sendereihe “Unter unserem Himmel” wieder einmal Dieter Wielands “Grün kaputt” von 1983. Film, Ausstellung und Buch hatten seinerzeit für viel Wirbel gesorgt und sind nicht ohne Wirkung geblieben, beim Laienpublikum wie auch in der planenden Fachwelt.

Unerwartetes Erstaunen nach den ersten Bildern: freilich kennt man das, was Wieland damals anprangerte: Landschaftsverbrauch, Flurbereinigung, Versiegelung, Verarmung, Stereotypisierung von Landschaft, Stadt und Garten. Aber kurz stutzt man schon. Die Bilder wirken wie aus einer ziemlich zurückliegenden Zeit (lokal betrachtet; global betrachtet wirken sehr eher harmlos!). Dagegen der Text, die angeprangerten Missstände – teilweise nachwievor aktuell. Zuvorderst der Flächenverbrauch, der kaum weniger geworden ist, aller Nachhaltigkeitsappelle, Ökologischen Leitfäden und Regierungsinitiativen zum Trotz.

Der hohe Ton, den Wieland anschlägt, hat mich leider schon immer gestört, deshalb habe ich mir auch das Buch nie gekauft. Und wenn man ihn heute wieder hört, dann gibt es schon auch irritierende Äußerungen. Von “verdreckten, zerlumpten Fremdlingen” etwa spricht er, wenn er schüttere Koniferen in Vorgärten beschreibt – dachte er daran, mit dieser ‘Zigeunerformel’ die Leute in seinem Sinne  zum ‘Aufräumen’, zum ‘Säubern’  zu bringen?  Und statt der “Zeder aus der Wüste” doch lieber den Walnussbaum zu pflanzen, das alte, ins ländliche Idyll inkorporierte Kulturgut vom Balkan?

Wie auch in der Neophytendiskussion schwingt leider oft sehr viel Ressentiment und Verklärung mit. Durch den fast ausschließlichen verklärenden Vergleich mit Beispielen von Gärten, Dörfern, Landschaften, die noch dem Bild der guten alten Zeit entsprechen, wird der Blick auf den wahren Kern der Botschaft etwas verstellt. Und dieser Kern, diese Problematik gilt eigentlich unverändert fort, wenn man sich die Gestaltung unserer alltäglichen Lebensumwelt, sei es auf dem Land oder in der Stadt, anschaut:

  • Zu viel Geld und zu wenig Bildung, ästhetische Schulung, Denken in Zusammenhängen und Wissen um Natur.
  • Zu viel Aktivismus und zu wenig Besinnung, Zuschauen, Beobachten, Erfahren.

Falsch verstandenes Gärtnertum, im weitesten Sinne.

Wichtigstes Wissen des Gärtners: das vom richtigen Zeitpunkt. Und dieser ist nicht statisch, kein Kalenderdatum. Beobachten, einfühlen, erst dann handeln, mit dem geringst nötigen Aufwand nach Möglichkeit. Situatives Handeln ist seine Stärke, nicht Prinzipienreiterei, nicht Agieren nach Ideologie, Mode oder Klischee.

Die armen Koniferen sind nur das berühmte Symptom, das man bekämpft hat, anstatt das Übel, wie es so schön gärtnerisch heißt, an der Wurzel zu packen. Die Koniferen mussten büßen und sind aus vielen Gärten verschwunden seitdem (was freilich nicht schade ist). Stattdessen haben wir jetzt Feng-Shui-Höllen und drapierte Kieselflächen mit mediterran-japanischem Flair. Oder bezaubernde Ökogärtchen mit Kräuterspiralen und sonstigen esoterischen Steinkreisen. Zurück zur Natur? Immer noch Grün kaputt?

Vielleicht sollte man es, zumindest bei den Hausgärtnern einfach locker sehen: jeder ist seines Glückes Schmied und Paradieses Gärtner.