Im lindgrünen Mai haben wir einmal bilanziert, wieviele Bäume wir so pflanzen im Jahr. Eine Auswertung der Abrechnungsunterlagen hat ergeben, dass wir in den letzten 12 Jahren in von uns bearbeiteten Projekten insgesamt 3.570 Bäume gepflanzt haben. Das sind 297,5 Bäume pro Jahr. Oder ungefähr 1 Baum pro Werktag.

Ein Bundesbürger verursacht im Durchschnitt 11 t CO2-Emission pro Jahr. Haben diese Bäume Glück in ihrem Leben und dürfen 100 Jahre alt werden, dann binden sie in dieser Zeit ca. 11.000 t CO2. – damit lässt sich also 1000 Jahre klimaneutral leben! Bedenkt man, wieviele Leute insgesamt beteiligt waren, diese Bäume heranzuziehen, zu beplanen, zu pflanzen und im weiteren zu pflegen, so hat dieses Personal in Summe wohl eine einigermaßen ausgeglichene CO2-Bilanz. Eine tröstliche und höchst spekulative Rechnung freilich, allenfalls hilfreich, um Größenordnungen zu erahnen.

Die umweltwirksamen Leistungen eines Baumes lassen sich, alltagstauglich, auch so beziffern: ein durchschnittlicher Laubbaum (15 – 20 m hoch)

  • verdunstet bis zu 80 l Wasser pro Tag
  • produziert pro Jahr bis zu 3 Mio Liter Sauerstoff und 4.000 kg organische Substanz,
  • fixiert mit einer Wurzelmasse von 300 – 500 kg bis zu 1 t Humus und 50 t Mineralboden und hält bis zu 70 m³ Wasser zurück
  •  kann die Umgebungstemperatur gegenüber einer benachbarten Asphaltfläche im Sommer um > 60°C absenken.

Man kann dies, was sich da ereignet, aber auch anders ausdrücken:

Dort auf der Straße nach Méséglise habe ich zum ersten Male bemerkt, daß Apfelbäume einen runden Schatten auf den besonnten Boden werfen, und auch jenes ungreifbare goldene Seidengespinst zum ersten Male gesehen, das die sinkende Sonne beim schrägen Einfall unter den Blättern schafft und das ich meinen Vater oft mit seinem Spazierstock durchschlagen sah, ohne daß es sich jemals verschob. (Marcel Proust: In Swanns Welt)

In aktuellen Debatten ist man geneigt, die Rolle von Bäumen in unseren Städten und Siedlungen auf ihre Umweltbedeutung zu reduzieren. Doch die Bedeutung von Bäumen und ihre Wurzeln reicht tiefer:

Es besteht der Glaube, dass die Bäume den Atem der Personen aushauchen, die in den begrabenen Städten wohnen, und darum holen sich, nach einer altüberlieferten Sitte, in ihrem Schatten diejenigen Rat, die schwere Gewissensfälle zu entscheiden haben, die Verliebten lindern dort ihre Pein, die verirrten Pilger suchen bei ihnen Belehrung über den Weg, und die Dichter empfangen dort ihre Eingebung. Die Bäume verzaubern die ganze Stadt. (Asturias: Legenden aus Guatemala)

Darum geht es und daraus beziehen wir unsere Motivation, auch weiterhin Bäume zu pflanzen. Möglichst 1 Baum für 1 Tag.